Es war nicht geplant.
Ich war in Singapur, mitten in einem internationalen Projekt für ein großes Telekommunikationsunternehmen. Alles sollte funktionieren – und fast nichts tat es.
Die Situation war ein klassischer Teufelskreis: Kein Arbeitsvisum bedeutete keinen lokalen Arbeitsvertrag. Kein Arbeitsvertrag bedeutete keine Zugänge zu den internen Systemen. Und ohne Zugänge konnte ich meinen Job als Projektmanagerin nur bedingt machen. Selbst einen Laptop habe ich nur durch direkte Kontakte in die Münchner Zentrale erhalten.
Ich war da, ich wollte arbeiten, ich hatte die Kompetenz – und trotzdem liefen die Dinge aneinander vorbei. Die Situation fühlte sich eng an. Festgefahren in Umständen die ich nicht kontrollieren konnte, in einer Stadt die nicht meine war, in einer Rolle die nicht funktionierte.
Und dann – irgendwann – kam ein Gedanke der alles verändert hat:
Ich habe gar keinen Vertrag.
Die Erkenntnis. Ich war komplett frei. Niemand hielt mich. Keine Kündigungsfrist, keine vertragliche Verpflichtung, nichts das mich zwang zu bleiben. Die Enge die ich gespürt hatte, war in diesem Moment weg.
Nach drei Monaten habe ich entschieden zu gehen.
Was Freiheit bedeutet
Ich bin dann zurück nach Indien geflogen – nicht nach Hause, sondern dorthin wo ich sein wollte. Und irgendwo in dieser Zeit habe ich mich verabschiedet. Nicht nur von diesem Projekt, sondern von einer bestimmten Art zu arbeiten. Von Strukturen die von außen bestimmen wer man ist und was man tut.
Die Jahre im internationalen Beratungsumfeld haben mir unglaublich viel gegeben – internationale Projekte, interdisziplinäre Teams, ein Verständnis für Kommunikation und Komplexität das ich bis heute trage. Dafür bin ich dankbar.
Aber Singapur hat mir etwas anderes gegeben: die Erfahrung dass Freiheit manchmal genau dann entsteht, wenn man merkt dass man sie schon hat.
Äußere Freiheit und innere Freiheit
Es gibt einen Unterschied zwischen äußerer und innerer Freiheit – und der ist größer als man denkt.
Äußere Freiheit sind die Umstände: kein Vertrag, keine Verpflichtung, keine Struktur die einen hält. Innere Freiheit ist etwas anderes – es ist die Fähigkeit, diese Umstände auch wirklich zu nutzen. Den Moment zu erkennen und zu sagen: Ich entscheide.
Viele Menschen haben mehr äußere Freiheit als sie wahrnehmen. Was fehlt, ist der Moment der Klarheit – der Gedanke, der alles in ein anderes Licht rückt.
Der Moment der Klarheit
Berufliche Freiheit ist selten ein großer Sprung. Oft ist sie ein Moment – ein Gedanke, eine Erkenntnis, ein plötzliches Verstehen. Ich habe keinen Vertrag. Ich kann gehen. Ich kann selbst entscheiden.
Für viele Menschen kommt dieser Moment erst viel später. In der Selbstständigkeit, nach einer Kündigung, nach einem langen Prozess der Neuorientierung. Manchmal kommt er mitten in einer Situation die sich eigentlich festgefahren anfühlt.
Was ich heute weiß: Freiheit wartet nicht darauf dass die Umstände perfekt sind. Sie entsteht in dem Moment wo man aufhört zu warten – und anfängt zu entscheiden.
Wenn du gerade in einer beruflichen Phase steckst die sich eng anfühlt – und überlegst was dein nächster Schritt sein könnte – dann lass uns sprechen. Ein erstes Gespräch ist kostenlos und unverbindlich.

